Hier gibt es „Wohnungen“ für Störche

Vogelschutz Am Sportplatz in Roggden steht jetzt ein Storchennest. Der Sportverein hegt damit besondere Hoffnungen. Warum sich die Lechwerke und die Stadt Wertingen für die Nisthilfe einsetzen.

Auf einem ausgedienten Strommast am Rande des Sportplatzes in Roggden steht jetzt ein neues Storchennest. Den Metallkorb haben Mitglieder und Freunde des Sportvereins mit Weiden und zweijährigem Heu ausgelegt. Sie hoffen nun, dass das Nistangebot von den Störchen angenommen wird und sie noch in diesem Jahr dort brüten. Foto: LEW

VON ULRIKE WALBURG

WertingenRoggden Seit vielen Jahren erfreuen sich die Spieler des Sportvereins Roggden eines besonderen Publikums. Kommen die Spieler aus dem unteren Zusamtal am Sportplatz an und beginnen zu kicken, sind sogleich auch die Weißstörche da. Gleich nebenan, in den Wiesen und Auen nahe der Zusam, sind die großen Vögel auf Futtersuche und schreiten die Feuchtwiesen am Altwasser auf und ab. „Dabei entdecken sie Mäuse und Regenwürmer, Grasfrösche finden sie leider keine mehr, denn es gib sie kaum noch,“ erklärt der Storchenexperte Anton Burnhauser. Auf den Flutlichtmasten am Rande des Spielfelds lassen sich die Störche immer mal wieder nieder und behalten aus der Vogelperspektive „den Überblick über mögliche Futter- quellen“, sagt der Biologe und Ornithologe.„Weißstörche fühlen sichauf einem erhabenen Punkt und inmitten von Menschen sicher vor anderen Tieren und natürlichen Feinden,“ sagt er. Johann Kaim, Vorsitzender des Sportvereins Roggden, erinnert sich an die vergangenen Jahre. „Zurzeit finden zwar keine Spiele statt, doch die Weißstörche sind trotzdem da“, erzählt er. Um die Störche hier sesshaft zu machen, plant der SV Roggden den Bau eines Storchen- nests mit privaten Geldern. Treibende Kraft ist dabei Annette Fürbaß, die sich „schon immer ein Storchennest gewünscht“ hat. Mitten in der Planungsphase kommt unerwartete Hilfe von den Augsburger Lechwerken. Das Unternehmen macht sich im Rahmen seines 120-jährigen Jubiläums für den Vogelschutz stark. Dazu gehört die Installierung von Nisthilfen an Strommasten und Trafostationen und die Isolierung von Leiterseilen an Storchennestern. Impulsgeber ist Josef Nersinger, der sich als Teil des Naturschutzbei- rats beim Landratsamt Günzburg für Vogelschutz engagiert. „Nun erhalten die großen Schreitvögel zwölf Nisthilfen de luxe“, sagt er. In Abstimmung mit dem Storchenexperten Burnhauser werden geeignete Storchengebiete ausgewiesen. Zwölf neue Storchennester für Schwaben sind geplant. Ein Standort ist in Roggden, im Herbst wird ein weiterer Nistkorb in Buttenwiesen installiert. „Der Storch steht für eine intakte Landschaft“, sagt der Storchenexperte. „Roggden ist für die Storchenbesiedelung günstig, die offenen Auen sorgen für einen ausgedehnten Lebensraum der großen Schreitvögel,“ so Burnhauser. Der Storch brauche Platz: „Er kann keinen Blitzstart hinlegen und schreitet in zehn Minuten hundert Meter ab.“

 

Die Nistkörbe aus Metall werden in eigenen Werkstätten der LEW und in der Wertinger Schlosserei Lehnert hergestellt. In Augsburg entsteht die Unterkonstruktion und in der Schlosserei Lehnert der Oberkorb sowie das Montagerohr. Ein Nistkorb kostet zwischen 6000 und 8000 Euro. Finanziert werden die Metallkörbe und das Befestigungsrohr vom Förderfonds des LEWStromprodukts „Strom Regional Natur“. Der Nistkorb ist stabil, hat einen Durchmesser von 1,23 Metern und wiegt 119 Kilogramm. Laut Lehnert ist er aus Vollmaterial hergestellt und hält Jahrzehnte. Die aufwendige Verarbeitung begründet er damit: „Ein Storchennest wiegt allein ohne die Stahlkonstruktion bis zu einer halben Tonne.“ Damit die Nisthilfe lange hält, wird sie verzinkt. Lehnert schweißt gerade an einem Nistkorb, der noch heute verzinkt und in die Nähe von Landsberg ausgeliefert werden soll. Vergangene Woche wurde in Roggden ein Nistkorb aufgestellt. Die Stadt Wertingen ist auch mit im Boot und übernimmt die Haftung für den Horst. Als Vertreter der LEW, des Sportvereins und Hertha Stauch als Umweltreferentin des Stadtrats am Sportplatz eintreffen, übergeben sie gemeinsam das mit Seilen abgesicherte Nistangebot seiner Bestimmung. Nun steht das Nest auf dem Gelände des SV Roggden auf einem Holzmast, der früher Bestandteil einer Freileitung war. Es besteht Hoffnung, dass die Störche noch in diesem Jahr in Roggden brüten und der Horst von den großen Vögeln angenommen wird. Stauch dankt dem SV Roggden und der LEW für die gute Idee und freut sich: „Hier an der Zusam findet der Storch ein gutes Nahrungsangebot.“ Storchenexperte Burnhauser befürwortet den neuen Standort ebenfalls: „Die großen Schreitvögel brüten gerne dort, wo viele Menschen sind, da fühlen sie sich sicher.“  Die Mitglieder des Sportvereins haben den Metallkorb mit einem Weidengeflecht und mit einem Polster aus zweijährigem Heu, Spende eines Roggdener Landwirts, ausgestattet. „Wir wollen damit das neue Nistangebot den Weißstörchen als möglichen Brutplatz besonders schmackhaft machen“, sagt Fürbaß. Laut Burnhauser brüten Weißstörche gerne dort, wo sie auch andere Störche vermuten. Die Sportler hoffen, dass das neue Nest von den Störchen angenommen wird, und verbinden damit den Wunsch auf Nachwuchs für den Verein und für die Ortschaft. „Nachwuchs ist bei uns sehr willkommen“, sagt Johann Kaim als Erster Vorsitzender des SV Roggden.

Schlossermeister Lehnert aus Wertingen fertigt im Auftrag der LEW die massiven Metallkörbe mit einem Durchmesser von 1,23 Metern und einem Gewicht von 119 Kilogramm an. Die stabile Konstruktion soll Weißstörche zum Nisten in das untere Zusamtal locken. Foto: Ulrike Walburg

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